Interview | P8 – Ein neues soziokulturelles Zentrum in der Nordstadt

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Vergangenes Wochenende hat in der in der Karlsruher Nordstadt das P8 eröffnet. Von der Haltestelle an der dualen Hochschule gelangt man in ein paar Minütchen zu einem Gewerbegebiet, auf dem ich nach kurzem orientierungslosen Herumlaufen eine Halle finde. Draußen im Hof sitzen Menschen und grillen, drinnen ist noch leer – aber es gibt einiges interessantes zu entdecken: Eine Bar, eine Bühne, ein Tonstudio, ein halbfertiger Kletterraum, ein Proberaum… Diese Halle in der Pennsylvania Straße 8 ist seit kurzem die Heimat des Vereins, der auch schon die Halle14 im Rheinhafen betrieben hat. Dass die Halle14 schließen musste war sehr schade, aber umso schöner ist es jetzt, dass es mit dem P8 nun einen würdigen Nachfolger gibt. Boah, der im Vorstand des Vereins tätig ist, hat sich für mich Zeit genommen und erzählt, wieso es mit der Halle14 zu Ende ging, was in der neuen Location alles geplant ist und welcher Verein hinter dem Projekt steckt.

Hi Boah! Ihr eröffnet heute das P8, und euch hat auch schon die Halle14 gehört. Wer seid ihr denn?

Ja genau. Wir sind ein Verein, nämlich der Panorama e.V. Wir haben 2011 die Halle14 angemietet, beziehungsweise das Gebäude in dem die Halle14 war. Das war auch schon ähnlich wie hier – unten war die Halle, also der Veranstaltungs- und Vereinsraum, und oben waren Ateliers, Werkstätten und Proberäume. Das war auch ähnlich groß, auch 450qm. Wir haben das damals angemietet weil wir vorher in der ganzen Stadt schon Veranstaltungen gemacht haben, Läden gemietet, Jugendzentren gemietet, und wir hatten Lust und auch den Bedarf öfter was zu machen und kamen so auf den Gedanken uns was Eigenes zu mieten. Da haben wir nach längerem Suchen diese Halle im Rheinhafen gefunden. Das ging gut bis Anfang 2014. Da kam dann das Bauordnungsamt an und hat festgestellt, dass eine kulturelle Nutzung im Rheinhafen nicht erlaubt ist, woraufhin wir die Halle schließen mussten.

Hat sich das länger hingezogen oder kam da das Urteil und ihr musstet sofort dicht machen?

Das ging schon relativ schnell. Wir haben drei oder vier Monate vor der Schließung zum ersten Mal mit dem Bauordnungsamt konferiert, die waren auch da und haben sich alles angeschaut, und dann kam im Januar der Bescheid dass wir zu machen sollen, und ab da war auch eigentlich geschlossen. Im Juni haben wir dann noch ein Sommerfest dort im Hof gemacht, was wohl erlaubt war weil es draußen stattgefunden hat und nicht im Gebäude, also so eine einmalige Sache war okay, aber ansonsten ging nichts mehr.

Warum genau musstet ihr dann schließen? Im Rheinhafen stört sich doch niemand an solchen Partys, und als ihr den Raum angemietet habt stand doch auch schon fest was ihr darin machen werdet, oder?

Naja wir haben damals nicht direkt mit der Stadt darüber gesprochen und angemeldet was wir da tun. Und das ist eben der Bau… Nutzungs… Wie heißt dieses Ding? Der Bebauungsplan, genau. Das ist ein Gewerbegebiet, speziell für gewerbliche Nutzung, und da ist kulturelle Nutzung dann ausgeschlossen. Für sportliche, kulturelle und kirchliche Nutzungen gibt es bestimmte Regelungen, und die sind in Karlsruhe in fast allen gewerblichen Gebieten im Bebauungsplan ausgeschlossen. Das wurde in den achtziger Jahren so beschlossen. Das habe ich auch alles in den letzten Jahren leidvoll miterlebt, weil wir ganz viele Sachen angeschaut haben, nach der Halle und auch schon währenddessen, und die Gebäude die für uns interessant waren, also eben diese Hallen im Gewerbegebiet wo wir niemanden stören, sind meistens für kulturelle Nutzung tabu. Das macht es total schwer was für den Verein zu finden.

Was seid ihr denn für ein Verein?

Also wir heißen Panorama e.V. und sind im Prinzip ein Verein für die Förderung von Kunst und Kultur.
Und was hat der Verein in der Zwischenzeit gemacht, solange ihr sozusagen keine Heimat hattet?
Wir haben gesucht. Wir haben uns bestimmt 15, 20 Objekte angeschaut in den letzten Jahren. Ganz oft ist es wie gesagt an diesem Verbot gescheitert. Wir hatten zum Beispiel zwei Objekte für die wir uns sehr interessiert haben, da waren wir uns mit den Vermietern auch schon einig, aber dann war es uns irgendwie doch zu heiß, nochmal sone Kiste wie in der Halle14 zu machen.

Und wie sieht es jetzt hier aus? Hier sind wir ja auch im Gewerbegebiet…

Hier ist ein ehemaliges Armeegelände, und hier gibt es zum Glück einfach keinen Bebauungsplan.

Wie lange habt ihr gebraucht bis ihr das hier gefunden hattet?

Anfang 2014 haben wir das Verbot bekommen, dann sind das… Ja dann hat das jetzt fast drei Jahre gedauert.

Was war hier vorher drin?

Das stand jetzt tatsächlich länger leer! In Karlsruhe ist es eigentlich ungewöhnlich, dass Gebäude länger leer stehen, aber hier war das so. Das Gebiet hier soll auch komplett zu einem Wohngebiet umgebaut werden, mit Luxuswohnungen und was weiß ich was, und dazu soll hier alles abgerissen werden. Bis Ende 2018 soll alles weg hier, also auch das Gebäude in dem wir jetzt drin sind. Und irgendwie haben die das deswegen nicht hinbekommen, das zu vermieten. Es gab hier auch größere Proteste von den Leuten, weil die Mieten teilweise verdoppelt und verdreifacht wurden nachdem das alles verkauft wurde. Man muss sagen dass die Mieten vorher auch echt günstig waren, hier haben teilweise Leute für 1 Euro oder 1,50 für den Quadratmeter gewohnt, also schon ziemlich geil! Wir hatten uns vorher auch schon auf demselben Gelände zwei, drei andere Objekte angeschaut, und irgendwann ist jemand von uns hier zufällig dran vorbei gefahren und hat gesehen dass das Gebäude leer steht. Dann haben wir die Immobiliengesellschaft angerufen und ab da ging alles relativ fix, innerhalb von zwei Wochen haben wir den Vertrag unterschrieben.

Musstet ihr noch viel umbauen? Was habt ihr alles verändert?

Wir haben den ganzen Innenausbau gemacht. Das war vorher einfach eine große Werkhalle. Und auch das ging sehr sehr schnell! Mitte Mai haben wir den Vertrag unterschrieben und innerhalb von einem Monat ist jetzt alles fertig geworden. Wir haben ganz viel an einem Wochenende hochgezogen, da waren richtig viele Leute da und haben mitgeholfen. Und überhaupt war das hier die letzten Wochen so, dass jeden Abend Leute nach Feierabend hier waren und irgendwas gebaut haben, ich bin selber richtig beeindruckt wie schnell das dadurch alles ging.

Das Atelier!

Das Atelier!

Der Proberaum!

Der Proberaum!

Der Kletterraum!

Der Kletterraum!

Erklär doch nochmal was genau euer Konzept ist, was ihr im P8 alles machen werdet.

Das wird ziemlich ähnlich sein wie in der Halle14. Es gibt diesen einen Raum, den Vereinsraum, in dem Veranstaltungen stattfinden sollen. Vieles davon machen wir selbst, vieles wird aber auch extern veranstaltet. Seitdem wir veröffentlicht haben, dass wir einen Veranstaltungsraum haben, haben wir 10, 15 Anfragen von Leuten bekommen, die hier ihre Veranstaltungen machen wollen. Und das wollen wir auch unterstützen, weil wir aus eigener Erfahrung wissen, wie schwer es ist, Räume für Events zu finden. Entweder dir Räume sind ungeeignet oder zu teuer oder sonst irgendwas, und da wir selber aus so einem DIY-Kreis kommen und alles unkommerziell machen haben wir da ein ganz gutes Verständnis für die Sache und ganz gute Bedingungen denke ich. Da wird es also einige Veranstaltungen geben! Dann haben wir noch Ateliers und Proberäume, und wir haben auch geplant, dass die Bands die hier proben dann auch abends hier spielen, dass die Künstler und Künstlerinnen die in den Ateliers sind hier Ausstellungen machen. Also ein soziokulturelles Zentrum sozusagen, das ist so der Leitgedanke den wir bei der ganzen Sache haben.

Der Vereinsraum!

Der Vereinsraum!

Und im Vereinsraum – wird es da so clubmäßig jeden Freitag und Samstag Veranstaltungen geben?

Also wir haben kein festes Programm oder so, es ist eben dann was wenn ne Veranstaltung geplant ist. Aber wir sind da ganz guter Dinge, da wir so viele Anfragen haben ist der Oktober zum Beispiel schon fast ausgebucht, da soll’s ja auch nach der Sommerpause wieder groß losgehen. Also es wird mehr eine Eventlocation, falls man das so nennen will, aber wir gehen aktuell jetzt mal von zwei, drei Veranstaltungen pro Woche aus.

Wie sieht es mit Musikrichtungen aus? Seid ihr da offen für alles?

Das ist völlig offen, ja. Wir haben schon nen gewissen Schwerpunkt auf den unbekannteren Sachen, auf Experimentellem, unkommerzielle Sachen eben. Aber von Electro, Noise, über Rock, Punk… es ist bunt gemischt!

In der Halle waren wir mal auf einer richtig coolen Jungle Party, wird’s die auch wieder geben?

Ja genau! Die Leute die das damals veranstaltet haben waren auch schon hier und haben sich den Raum angeschaut, die werden wohl auch wieder am Start sein!

Achtung Alliteration: Der kreative Klospiegel!

Achtung Alliteration: Der kreative Klospiegel!

Sehr cool!

Also es sind jetzt trozt allem nochmal ganz andere Kreise geworden als vorher. Die Leute die in der Halle dabei waren sind auch immer noch dabei, aber es ist alles noch viel breiter gefächert. Es gibt zum Beispiel jetzt auch eine Theatergruppe, die hier regelmäßig Aufführungen machen wird. Es lässt sich also ziemlich gut an, und man merkt dass es in Karlsruhe viel Potenzial gibt und es viel mehr Underground-Veranstaltungen geben könnte, aber dass es bislang einfach keine Räume dafür gab. Und den Raum dafür wollen wir eben bieten, das sehen wir als unsere Aufgabe an.

Bekommt ihr dafür auch Unterstützung von der Stadt oder werden euch da eher Steine in den Weg gelegt? Gerade bei solchen subkulturellen Veranstaltungen im Musik-Bereich ist das ja oft schwer…

Ja absolut. Aber dadurch dass die nächsten Anwohner hier ewig weit weg sind bekommen wir zumindest keinen Stress mit Lärmbeschwerden. Im Moment ist es ja so, dass im Kulturhaushalt ordentlich gespart wird und dass die Stadtpolitik beschlossen hat in den Kulturbetrieben den Zuschuss um 3,6 Prozent zu kürzen, von dem her können wir mit Geld wohl eher nicht rechnen. Aber es ist ja auch ne Frage ob man das überhaupt will, öffentlich finanziert zu werden, weil man sich dadurch auch in ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis begibt. Also im Prinzip sind wir für jede mögliche Unterstützung dankbar, aber die Rolle der Stadt sehen wir eher darin, dass sie zumindest nicht versucht unser Vorhaben in irgendeiner Weise zu verhindern.

Das schöne Toilettenpapier!

Das schöne Toilettenpapier!

Wie finanziert ihr euch dann als Verein?

Durch Mitgliedsbeiträge und Spenden hauptsächlich. Bei den Veranstaltungen läuft das meistens Null auf Null raus, also die Eintrittsgelder von unseren Veranstaltungen sind eher dazu da um den jeweiligen Abend zu finanzieren.

Und was habt ihr dieses Jahr noch geplant, gibt es ein Konzert oder sowas auf das du dich besonders freust?

Das kommt ja jetzt alles erst noch. Was jetzt schon konkret ansteht habe ich gar nicht alles im Kopf weil da so viele Anfragen auf einmal kamen. Aber so ein bisschen das Highlight dieses Jahr wird denke ich wieder unser Sommerfest, das wir am Samstag 3. September hier machen. Als das in der Halle war waren knapp 1000 Leute da, und das wollen wir hier im Hof dieses Jahr auch wieder machen. Da vorne aus der Werkstatt raus wird dann die Bühne aufgebaut und alles findet draußen statt, das wird auf jeden Fall eines der größeren Events hier, dafür sind wir auch schon ordentlich am planen.

Und schließlich: Der Interviewpartner Boah!

Und schließlich: Der Interviewpartner Boah!

Hört sich gut an! Und was steht heute abend noch an?

Heute abend wird es einfach ne Party geben, ein paar DJs legen auf… Wir wollten da eher was Entspanntes machen, kein großes Konzert oder so, ich glaube das war ne ganz gute Idee.

Dann wünsch ich euch heute noch eine schöne Eröffnungsparty!
Vielen Dank für das Interview, und natürlich viel Erfolg für die Zukunft und für euren Verein!

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