Samstag, 30.03. 21:00

Hildegard von Binge Drinking + Lafote + Claudianobili + MX O1

LIVE:

HILDEGARD VON BINGE DRINKING (Synthie-Kraut)
LAFOTE (Postpunk)
CLAUDIANOBILI (Electropop)
MADEMOISELLE X & OPERATOR 1 (Performance-Show-Band)

AFTERSHOW: Dj Karpatenklinge & Friends

Häresie ist eine Strategie. Also zumindest für Hildegard von Binge Drinking. Über 150 Konzerte hat das Nonnen-Duo aus Würzburg seit 2013 gespielt, darunter Shows in Eisenbahnwaggons, auf einem Schiff, auf Festivals von der Fusion über einen Christopher Street Day bis zur Ruhrtriennale – und natürlich in Clubs all over Deutschland. Nach einem – inzwischen ausverkauften – Album und zwei EPs kommt nun die neue Platte auf dem Frankfurter Label Ichi Ichi: „Infinity“. Keine gewöhnliche LP, sondern eine, bei der alle acht Songs in Endlosrillen enden. Eher eine IP – infinite play.

Entstanden ist das alles im April 2017: Das Duo hatte sich, ausgestattet mit einem Stipendium des Frankfurt LAB, für einen Monat im Gallusviertel in einen Proberaum eingeschlossen, um bei Null anzufangen und acht endlose Titel zu schreiben, zu proben und aufzunehmen. Um eine vier Wochen lange Geschichte mit geplatztem Gymnastikball, genervtem Kindergärtner und gepflegtem Zeitdruck auf vier Worte zu kürzen: Es hat hervorragend geklappt.

Das Ergebnis ist, dank der Endlosrillen, natürlich eine Gimmick-Platte – aber eben eine gut hörbare Gimmick-Platte. Abseitiger Pop, Leftfield Electronics, Zombiprog – man kann es nennen wie man will, die Hildegard-Ingredienzen sind jedenfalls alle da: Vocoder, (elektronische) Chöre, Synthesizer, ein bisschen Krautrock – und das treibende Schlagzeug, das alles zusammenhält. Live noch immer eine Offenbarung.

Aufgenommen von Lolo Blümler (Diavolo Rosso, Acheborn et al.), gestaltet von Samantha Muljat (Earth, Goatsnake et al.). Nicht nur außergewöhnlich, sondern auch außergewöhnlich schön. Für die Kenner: Inside-Out-Cover, bedruckte Innenhülle, orange Vinyl mit schwarzen Schlieren. Looking good. Also genug Geld zu den Konzerten mitbringen, Danke.

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Man kennt sie als Vorband von Trümmer auf deren 2014er Tour zum ersten Album, vom ersten „Keine Bewegung“ Sampler (Staatsakt/Euphorie) oder der Die Sterne -Tribute-Compilation „Mach’s Besser“. Oder man kennt Jakob Groothoff als den Chef der Hanseplatte und Stefan Kühl als Bassisten von Findus.
Am 16.11. veröffentlichen sie endlich ihr Debütalbum „FIN“. Es handelt von genau jenen Dingen, die uns alle angehen, die jeden Tag nerven, die überfordern, die nicht selten verschlingen und bisweilen auslöschen; es trifft exakt das plagende Gefühl des Immer-schneller-Werdens und Verlorenseins der Jetztzeit und fasst seine Facetten in elf Songs. Jakob Groothoff wühlt sich dabei in seinen Textzeilen durch den ganzen Alltagswahn, durch die ganze Scheiße, und macht klar, dass es sich hier um seine eigenen Erfahrungen handelt, wenn er die ersten Zeilen des Openers „Alles Liegt In Scherben“ formuliert: „Ich habe keine Kraft mehr / und ich habe auch keine Zeit / und es hat keinen Ort, den ich mir leisten kann“. Ebenso wie JOCHEN DISTELMEYER erweist sich Groothoff als eindringlicher Beobachter seiner Umgebung. Doch Groothoff inszeniert sich nicht als intellektueller Beau, sondern gibt seine Gedanken mit einer kraftvollen, direkten Poesie wieder. „Ich habe einen Knoten in meinem Kopf und ich weiß nicht, was ich tun soll“, so die Formel der Selbstaufgabe, die er in „Knoten“ zehn, zwanzig, dreißig Mal besingt. Über LAFOTE zu sagen, sie würden nach Hamburg klingen, wäre deshalb eine allzu schlichte Vereinfachung, würde der Band nicht gerecht werden. Natürlich kann man BLUMFELD oder die STERNE hier an vielen Ecken erkennen, wenn man möchte, das leugnet auch niemand. Dennoch kreieren LAFOTE eine neue Wut, die weit brachialer und erschütternder daherkommt.

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